Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) – Ein Jahr später!

Vor etwas mehr als einem Jahr, am 01. August 2014, wurde das Lebensversicherungsreformgesetz beschlossen.

Auslöser war die seit Langem anhaltende Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten. Dadurch ist es den deutschen Lebensversicherern kaum noch möglich, die vertraglich vereinbarten Garantezinsen langfristig zu erwirtschaften und sicher zu stellen. In einem Stressszenario der Deutschen Bundesbank würde bei weiter niedrigen Zinsen bis zum Jahr 2023 mehr als ein Drittel der Gesellschaften die Mindesteigenkapitalanforderung (Solvabilität I) nicht mehr erfüllen können.

Wesentliche Änderung des neuen Gesetzes:

Bewertungsreserven können stärker zur Bestandssicherung verwendet werden. Dadurch kann aber auch weniger ausgeschüttet werden. Mein Hinweis an dieser Stelle: Prüfen Sie Ihre jährlichen Mitteilungen über die Entwicklung Ihrer Rückkaufswerte und Überschüsse!

Der garantierte Rechnungszins (vor Kosten) wurde von 1,75% auf nun 1,25% p.a. gesenkt. Zum Vergleich: Im Jahre 1999 waren es noch 4% p.a.

Betroffene Tarife sind die sogenannten klassischen Lebens- und Rentenversicherungen. Die durchschnittliche Verzinsung nach Kosten bei diesen Produkten liegt aktuell noch bei 3% jährlich.

Wie sollten Sie vorgehen:

Ich kann mir gut vorstellen, das die Überschüsse und damit auch die Gesamtverzinsung der klassischen Lebensversicherer in den nächsten Jahren weiter zurückgehen wird. Trotzdem sollten Sie keine voreiligen Entscheidungen treffen und ohne saubere Überprüfung im Vorfeld keine bestehenden Versicherungen kündigen. Eine generelle und allgemeingültige Handlungsempfehlung ist nicht möglich, da die Profitabilität der Versicherung von verschiedenen Faktoren abhängig ist, darunter zum Beispiel die Restlaufzeit und der Garantiezins.

Bei Neuabschlüssen lohnt es sich, über den Tellerrand zu schauen. Neben den sogenannten Hybridversicherungen, die in der Regel eine Beitragsgarantie zum Rentenbeginn sicherstellen und den Altersvorsorgebeitrag in meist zwei Töpfe aufteilen (1.klassicher Deckungsstock, 2. Fondsanlage), gibt es  diverse angelsächsische Anbieter, die ebenfalls interessante Vorsorgelösungen anbieten. Auch hier nutze ich diverse Vergleichs – Rechner, um für meine Mandanten das optimale Produkt mit dem besten Preis-Leistung-Verhältnis herauszufiltern.